Kino / Portraits

Das Geheimnis der Lego-Formel

Erik Range alias Gronkh spricht den "Joker" in "The Lego Batman Movie" (ab 9. Februar)

YouTube-Stars und andere Prominente ohne Schauspiel-Expertise als deutsche Synchronsprecher sind ein Thema für sich. Oft entscheidet die Fanbase-Größe und nicht das künstlerische Potenzial über ein Engagement. Mit Erik "Gronkh" Range, der bis Mai 2016 Deutschlands erfolgreichsten YouTube-Kanal betrieb, hat man immerhin einen Expterten zum Joker des "Lego Batman Movies" gemacht. Range, 1977 in Braunschweig geboren und später als Spieleentwickler und Kommentator von Online-Videospiel-Partien bei YouTube, sogenannten "Let's Plays", zu Ruhm gelangt, ist auch im wahren Leben Comic-Experte und Batman-Verehrer. Dass er dessen charismatischen Widersacher sprechen darf, macht den Spiele-Nerd sichtlich stolz. Ein Gespräch über kreatives Spielen und den seltsamen Erfolg von Lego auf der großen Leinwand.

teleschau: Wie kommt man als YouTuber ohne Schauspielerfahrung zu einer Sprecherrolle in einem großen Animationsfilm?

Gronkh: Eine durchaus berechtigte Frage. Das deutsche Büro des Filmverleihs sprach mich an. Die hatten sich wohl überlegt, wer als deutsche Stimme von Zach Galifianakis infrage kommt. Vielleicht weil wir so ähnlich aussehen. Auf jeden Fall aber, weil unsere Stimmfarbe ähnlich klingen soll. Ich wurde dann zum Casting eingeladen, und es hat offensichtlich geklappt.

teleschau: Waren Sie sehr nervös?

Gronkh: Ja, schon. Noch nervöser werde ich aber sein, wenn ich mir das Ergebnis im Kino ansehe, wozu ich bisher noch keine Gelegenheit hatte. Ich dachte am Anfang, dass ich in einem dieser Lego-Filme mitmachen soll, die nur im Netz oder auf DVD zu sehen sind. Als ich erfuhr, dass das ein weltweit vermarkteter Kinofilm wird, ging mir schon ein wenig die Düse. Aber es gibt Gott sei Dank einen Regisseur, der einen im Synchronstudio bei allen Sätzen coacht. So findet auch ein Amateur wie ich hoffentlich die richtigen Betonungen (lacht).

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teleschau: Wie erklären Sie sich den Erfolg der Lego-Filme? Immerhin ist es ja ein wenig seltsam, dass man aus steifen Bausteinen und Figuren ausgerechnet Filme macht.

Gronkh: Neben dem künstlerischen Potenzial funktionieren die Lego-Filme allein schon durch ihre Franchise-Macht. In "The Lego Batman Movie" treten zum Beispiel auch sehr viele bekannte Bösewichte der Filmgeschichte auf. Normalerweise würde man diese Flut berühmter Charaktere gar nicht für einen Film genehmigt bekommen. Doch als Lego-Franchise sehen das die Rechteinhaber offenbar anders. Bei Lego ist alles ein bisschen verspielter und verfremdet. Da gibt es einen Niedlichkeitseffekt, der harte Lizenzgeber unter Umständen weich werden lässt.

teleschau: Wie sehen Sie das Verhältnis der berühmten "The Dark Knight"-Filmtrilogie zur Lego-Interpretation von Batman?

Gronkh: Natürlich denken heute die meisten bei "Batman" an die Filme der Nolan-Brüder, die natürlich allesamt ziemlich düster waren. Da hatte selbst der Joker dieses dreckige Bunte, was schon arg abgenutzt aussah. Man darf aber nicht vergessen, dass es vor "The Dark Knight" viele andere, sehr unterschiedliche Batman-Filminterpretationen gab. Bei Lego ist natürlich alles super farbenfroh, denn es ist ein Film, an dem auch Kinder ihren Spaß haben sollen. Ästhetisch erinnert er mich vielleicht noch am ehesten an die grelle "Batman & Robin"-Verfilmung aus den 90-ern. Die orientierte sich mehr an der Comic-Vorlage und ich glaube, das wollte Lego auch: einen Batman mit stark gesättigten Farben und in heller Ausleuchtung.

teleschau: Müssen Figuren realistisch aussehen, damit man besser damit spielen kann?

Gronkh: Nicht unbedingt. Gerade bei Lego macht die Fantasie das Spiel. Wenn man als Kind eine Figur animieren wollte, hat man sie zum Gehen einfach hin und her wackeln lassen - eben wie bei Stop-Motion. Der Rest steckt in der Geschichte, die man damit erzählen will. Ob die Figur nun ein Gelenk mehr oder weniger hat oder ein wahnsinnig echtes Gesicht, spielt dabei keine Rolle. In dem Moment, in dem das Kind die Figur bewegt, wird sie echt.

teleschau: Das Lego-Bauen hat sich als Grundidee über die letzten Jahre ziemlich gewandelt. Früher waren das einfach nur Bauklötze, aus denen man etwas mehr oder minder Kreatives zauberte. Heute ist Lego eher Modellbau ...

Gronkh: Ja, viele Lego-Produkte erinnern an 3D-Puzzle. Dennoch ist es dem Bauer natürlich freigestellt, etwas Alternatives aus den gelieferten Teilen zu bauen. Viele Kinder oder Lego-Fans machen vielleicht sogar beides. Erst mal baut man, wie auf der Anleitung vorgegeben. Da aber Regal-Flächen, in die man so etwas stellen kann, in fast jedem Haushalt begrenzt sind, macht man die Modelle vielleicht irgendwann wieder kaputt und probiert mit den Teilen etwas Neues zu bauen. Insofern ist die heutige Lego-Strategie ja doch recht intelligent.

teleschau: Aber waren die Lego-Kids von einst kreativer als die heutigen?

Gronkh: Da bin ich mir nicht sicher. Klar, jene Kids, die heute vorwiegend ihre eigenen Sachen bauen, werden nicht so prominent dargestellt, wie die, die eben genau jenen super komplizierten "Star Wars"-Bausatz zusammengesteckt haben. Letzteres zu betonen, nutzt natürlich dem Marketing der Produkte mehr. Ich glaube aber schon, dass es immer noch sehr viel eigene Kreativität unter bauenden Kindern gibt. Sonst wäre wohl auch das Computer-Bauklotzspiel "Minecraft" nie ein solcher, Jahre währender Erfolg geworden.

Eric Leimann

Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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