Kino / Portraits

"Ich glaube an Energien"

Nilam Farooq spielt in "Heilstätten" (Start: 22. Februar) eine Hauptrolle

Nilam Farooq spielt in "Heilstätten" die aufstrebende Vloggerin Betty - eine Schminkexpertin, die zu den erfolgreichsten YouTuberinnen Deutschlands gehört. Die Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen, auch wenn Farooq in ihrem eigenen Kanal "Nilam" über weit mehr als Schminken spricht. Dadurch und durch ihre Authentizität ist sie eine der beliebtesten Vloggerinnen und sympathischsten Jungschauspielerinnen, die man momentan auf so vielen verschiedenen Plattformen sehen kann. Wir haben Farooq zum Interview getroffen und mit ihr über "Heilstätten", Geister und die Schauspielkunst gesprochen.

Auf YouTube und Instagram ist sie erfolgreich, und auch TV-Zuschauer und Kinogänger kennen die Schauspielerin. Seit dem Frühjahr 2013 ist Nilam Farooq regelmäßig als Kommissarin Olivia Fareedi in der Fernsehserie "SOKO Leipzig" zu sehen. Außerdem hat sie bereits in zahlreichen Filmen wie "Allein gegen die Zeit" (2016) oder "Mein Blind Date mit dem Leben" (2017) mitgewirkt. Mit "Heilstätten" kommt nun ein weiterer Film mit Farooq in einer der Hauptrollen in die Kinos - ein deutscher Horrorfilm rund um eine Horde YouTuber, die sich in den Berliner Heilstätten Herausforderungen stellen. Doch es bleibt nicht bei gegenseitigen Pranks und Vlogeinträgen, denn in den Heilstätten liegt ein Geheimnis begraben, das nach Aufmerksamkeit schreit.

Nilam Farooq ist ein Angsthase. Auf die Frage, ob sie in den Heilstätten einmal übernachten würde, ist nur ein "Um Gottes willen - auf keinen Fall" von ihr zu vernehmen. Ohne Dreharbeiten hätte sie es wohl keine Minute alleine in den Heilstätten ausgehalten. Fasziniert von der Set-Ausstattung habe sie sich mehr als nur einmal am Drehort gegruselt. Einfach, weil sie oft nicht wusste, ob das Drehteam Dinge dort platziert hatte, oder ob sie schon zuvor dort lagen.

Deshalb würde sie nicht eine Nacht alleine dort verbringen - auch nicht für viel Geld. Schmunzelnd lehnt sie das Angebot ab und während ihr Filmpartner Tim Oliver Schultz damit kein Problem hätte und gerne auch seine eigenen Grenzen ausreizt, wirkt Nilam Farooq deutlich zurückhaltender. Vielleicht auch, weil sie Übernatürliches nicht ausschließt: "Ich glaube an Energien - also nicht an Gespenster in Form von Bettlaken mit Löchern für die Augen. Aber auch daran, dass Dinge passieren, ohne dass man sich den Grund dafür erklären kann."

Horrorfilme gehören daher auch nicht zu ihrem Lieblingsgenre. Oftmals fehle ihr dazu einfach der Mut, aber ab und zu schaue sie mit Freunden trotzdem Filme wie "Paranormal Activity" oder "Identität" - gezwungenermaßen. Letzterer habe sie aufgrund der Kombination von Horror und Psychoeinlagen so geprägt, dass sie vor allem dem Genre Mystery mit Tiefgang den Vorzug gebe.

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Für Farooq ist "Heilstätten" der erste Horrorfilm, in dem sie mitwirkt. Mit ihrer Figur Betty fühle sie sich zwar verbunden, betont aber, dass es ihr persönlich sehr wichtig sei, Inhalte mit einer gewissen Bedeutsamkeit online zu stellen. Den Spagat zu finden zwischen Inhalten im Netz, die einfach nur zur Unterhaltung dienen und denen, die auch eine Botschaft vermitteln, sei oft schwierig. Aber gerade Videos, die ein gewisses Maß an Provokation schon längst überschritten haben und nur noch für Klicks gedreht werden, fesseln viele junge Menschen. Genau da solle man den neuen Medien auch die Grenzen aufzeigen. Und das gelinge "Heilstätten" mit seiner unterschwelligen, aber deutlichen Botschaft auch, so Farooq.

Eine Anekdote, die Farooq am Rande erzählt, zeigt, wie sehr sich die Welten von klassischem Fernsehen und Film mit der Online-Welt für ihre Fans vermischen. Im Urlaub traf sie zufällig auf eine junge Frau, die sich oft ihre YouTube-Videos anschaut. Aber auch die Mutter der Miturlauberin kannte Nilam Farooq - aus der Fernsehserie "SOKO Leipzig". Wussten zuvor Tochter und Mutter gar nicht von der gemeinsamen Kenntnis der Schauspielerin, so mussten sie gerade deswegen alle lachen. Ein unterhaltsamer Zufall verband alle drei Frauen miteinander und offenbarte Farooqs Präsenz in Offline- und Online-Unterhaltungsmedien auf sympathische Weise.

Die Grenzen zwischen YouTube-Videos und Drehs für Film und Fernsehen verschwimmen zunehmend für die Schauspielerin. "Mit SOKO Leipzig habe ich natürlich eine andere Zielgruppe, die nicht unbedingt meine Videos im Netz guckt. Aber es vermischt sich alles immer mehr. Ich kann das mittlerweile ganz schwer auseinanderdividieren." Trotzdem macht sie klar, dass der Unterschied schon noch groß sei. "Ich arbeite als Schauspielerin einfach ganz anders, als wenn ich ein YouTube-Video drehe", so Farooq. Denn für eine Rolle im Film oder in einer Serie müsse sie sich in der Regel Dinge, die für den jeweiligen Part von Belang sind, aneignen, um eine gewisse Authentizität zu erlangen. Das benötige Farooq bei ihren Videos nicht. Dort sei sie einfach nur sie selbst und müsse sich nicht erst lange auf eine bestimmte Rolle vorbereiten.

Der größte Unterschied von Internetvideos via Instagram, Snapchat oder YouTube zum klassischen Format wie Film sei aber das direkte Feedback, so Farooq. Völlig ungefiltert prallen im Internet positive und negative Kommentare auf sie ein. Ganz anders als bei einer Produktion fürs Fernsehen oder für die Leinwand. Die Schnelllebigkeit sei eine ganz andere und für sie immer wieder aufs Neue spannend.

Nilam Farooq ist ziemlich gespannt auf die Meinungen zu "Heilstätten" und hofft, dass der Film beim Publikum gut ankommt. Und mit "Verpiss dich, Schneewittchen" (Start 29. März) steht auch schon ihr nächster Kinofilm in den Startlöchern.

Sarah Schindler

Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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