Medina - Welcome To Medina

Der MTV-Award als erfolgreichste dänische
Sängerin 2009? Sicher nur der Anfang sein für jemanden,
der eine internationale Karriere als Dance-Act vorhat. Nachdem
Medina im übersichtlichen Nachbarland bereits viele Monate
die Charts für sich einnahm, stellt sie sich nun dem
internationalen Publikum vor. Was bedeutet, dass "Welcome To
Medina" ein Zusammenschnitt des bisherigen Schaffens der
Musikerin ist, für die Hüften schütteln und sich
lasziv im Takt räkeln scheinbar nicht genug ist.
Dabei steht das in der Branche, die die Tanzflächen zu
füllen hat, keinesfalls unter Strafe. Bei der
27-Jährigen, die dem Jugendwahn widersteht und sich betont
fraulich gibt, ist vieles hausgemacht. Sie bestimmt wesentlich
mit, wie ihre technoid angehauchten Dancefloor-Pop-Tracks
klingen. Fast als Folge davon erscheint es stimmig, dass Medina
nicht nur Wortfetzen aufsagt, sondern
verhältnismäßig viel Text einbringt. Als wollte
sie den gemeinen Popkontext aufbrechen und mit einem
Grundgerüst aus elektronischer Tanzmusik versehen. Etwas
unglücklich ist in diesem Zusammenhang ihr Versuch,
verschiedene Stimmungen, gar Atmosphäre transportieren zu
wollen. Partymusik bleibt Partymusik. Und so eingängig ein
Track wie "Welcome To Medina" ist, ihn simpel zu
nennen, wäre wirklich geschmeichelt. Dafür ist er
funktional.
Und das funktioniert ja auch: In Dänemark hat Medina, die
keinen Künstlernamen verwendet, bereits zwei Alben
abgeliefert. "Welcome To Medina" fasst daher im
Wesentlichen ihre Arbeit der letzten drei Jahre zusammen. Die
englische Variation ihres Hits "Kun For Mig" namens
"You And I" landete in England bereits auf Platz eins
der Dancecharts. Der Track ist wenig markant, könnte auch
schon vor zehn Jahren veröffentlicht worden sein. Simpel
stampfend, freundlich groovend, verhalten pumpend, nie
aufdringlich, untermalt von ihrer rauchigen Stimme.
Auch wenn ihre erfolgreiche Single "Kun For Mig" auf
dänisch war, arbeitete die Dänin von Anfang an
eigentlich mit der englischen Sprache. Typisch dänisch ist
an übrigens wenig: Der chilenische Vater präsentiert
sich optisch als der überlegene Part. Womit man wieder beim
Äußeren wäre: Die Hüfte schütteln, sich
gekonnt Räkeln gehört, das durchaus zum Repertoire der
Frau, die sich ab Ende November mit vier vorsichtigen Gigs in
Deutschland präsentiert. Auch wenn ihr Album musikalisch
keine Akzente setzt, wird es sicher die Discotheken beschallen -
zukünftig nicht nur in Dänemark. Und
Überraschungen kann man im Laufe einer durchtanzten Nacht
schließlich auch anderswo suchen.
Claudia Nitsche| Medina - Welcome To Medina | | Genre | Dancefloor |
| Interpret | Medina |
| Vertrieb | EMI |
| Bewertung | akzeptabel |
Quelle: "teleschau - der mediendienst"