Musik / CD

The Shins: HeartwormsAllein ist man weniger zusammen

Bright Eyes ist Conor Oberst. Villagers ist Conor O'Brien. LCD Soundsystem ist James Murphy: Man kennt sie, diese "Bands", hinter denen sich eigentlich und hauptsächlich Solo-Musiker verstecken. Bei The Shins ist dies nicht anders. Die Indie-Pop-Band besteht vorrangig aus James Mercer. So war er es auch schon vor der neuen und fünften Platte "Heartworms". Doch diesmal ist der 46-Jährige zu präsent.

Seine (Backing-)Band hat Mercer bereits 2009 vor dem letzten Album "Ports Of Morrow" (2012) radikal ausgetauscht. Eine "ästhetische Entscheidung", hieß es. "Heartworms" produzierte er jetzt auch noch so gut wie im Alleingang. Und das eher wie ein überdrehter Brian Wilson als ein gesetzter Rick Rubin.

Gerade zu Beginn ist das Album überladen, überstilisiert, überproduziert. Verspielt, könnte man auch behaupten, doch das Spielerische meint Mercer viel zu ernst. Überall krachen Gesangs-Fragmente, Chöre, Kapriolen in die Arrangements, die im Vergleich zu Indie-Meisterwerken wie "Oh, Inverted World" (2001) und "Chutes To Narrow" (2003) deutlich elektronischer und synthie-dominiert daherkommen.

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Songs wie "Painting A Hole" und "Cherry Hearts" leiden an einem Aufmerksamkeitsdefizit, sie sind unruhig, nervös zappelnd. Wie ein Kind, das ständig am herabbaumelnden Mantelsaum zerrt. Dazu lässt sich ein Verfremdungszwang diagnostizieren. Spur um Spur verkünstelt Mercer sich, und auch sein Gesang, das Markenzeichen der Shins, wird durch die Produktion zum Nervfaktor.

Das ruhige "Mildenhall" bietet Zeit zum Durchatmen, doch hier stört der Country-Einschlag, der sich weder vorher abzeichnet, noch später fortgeführt wird. Wen "Heartworms" hier noch nicht verloren hat, der darf sich allerdings darüber freuen, dass das Album in der zweiten Hälfte einiges gutmachen kann: Der Titeltrack ist eine Reminiszenz an die poppig verspielten Ohrwurmgarantien von einst.

Mit "So Now What" wird Mercer psychedelischer - es ist der mit Abstand überzeugendste Track des Albums. "The Fear" führt die Shins-Tradition der durchgehend starken Albumcloser fort. Trotz alledem: "Heartworms" ist nicht das Shins-Album, das man sich nach dem mäßigen "Port Of Morrow" erhofft hatte. Es ist eher das Shins-Album, das man befürchten musste.

Jakob Wihgrab

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelHeartworms
Bandname/InterpretThe Shins
GenreIndie Pop
Erhältlich ab10.03.2017
LabelColumbia
VertriebSony
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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