Musik / CD

Tori Amos: Native InvaderDem Eindringling mit Sanftmut begegnen

Was tun, wenn der Hund wieder auf den Teppich im Wohnzimmer gemacht hat? Manche Menschen lassen sich dann dazu hinreißen, das Tier direkt mit der Schnauze in seinen Haufen zu drücken, damit es sein Fehlverhalten erkennt. Tori Amos würde dem Vierbeiner wahrscheinlich eher ein Lied davon singen, wie schön der Teppich ist. Dass ein Haufen Kot ihn nicht schöner macht, darf der Hund dann selbst erschließen. In etwa nach dem gleichen Prinzip geht Tori Amos auch auf ihrem neuen Album "Native Invader" vor.

Natürlich geht es auf dem 15. Langspieler von Tori Amos um mehr als einen Teppich. "Die Musen sind die treibende Kraft hinter den Songs", erklärt die vielfach Grammy-nominierte Elfenkönigin unter den Singer/Songwritern, die sich diesmal der Natur widmet und ergründen will, "wie diese sich durch Widerstandsfähigkeit selbst heilen kann". Dabei gehe es auch um die Frage: "Welche Rolle spielen wir selbst bei der Zerstörung unseres Landes wie auch unserer selbst?"

Der Mensch ist demnach ein "Native Invader", ein einheimischer Eindringling, der in den eigenen Lebensraum einfällt und dort wütet. So deutlich wie im Albumtitel wird Tori Amos in ihren neuen Songs nicht mehr. Wenn die 54-Jährige etwas mitzuteilen hat, tut sie das seit jeher mit Poesie und größtmöglicher Empathie. Statt anzuprangern, ermahnt sie vorsichtig. Statt einfach auf Ölteppiche, Smog oder das Artensterben zu verweisen, greift sie zu Metaphern und besingt Rentiere ("Reindeer King"), Wolken ("Cloud Riders") und Bäche ("Up The Creek") - sogar die zu Unrecht ungeliebte Fledermaus ("Bats") findet hier ihren Platz. Statt das Hässliche in den Vordergrund zu rücken, konzentriert sich Tori Amos auf das Schöne, das auf dem Spiel steht.

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Dementsprechend sind auf "Native Invader" auch musikalisch keine Misstöne zu erwarten. Tori Amos, als Texterin und Instrumentalistin gleichermaßen begnadet, begleitet ihre fantasievollen Geschichten wie gehabt mit Klavier und Gitarre in wunderschön geschriebenen, aufwendig produzierten, voll und warm klingenden Songs.

Jedes Lied wird hier zu einem Bett unter freiem Himmel, in das sich die Sängerin mit dem Hörer hineinlegt, um sich an den Sternen zu erfreuen und zu der Erkenntnis zu kommen, dass wir eins sind mit dem Planeten. Einem Hund, der schon das mit dem Teppich nicht verstehen würde, braucht man das so natürlich nicht zu erklären. Weil aber viele Menschen gescheiter sind als Hunde, kann man davon ausgehen, dass Tori Amos auf ihre Art doch den richtigen Ton getroffen hat.

John Fasnaugh

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelNative Invader
Bandname/InterpretTori Amos
GenreSinger/Songwriter
Erhältlich ab08.09.2017
LabelDecca
VertriebUniversal
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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