Musik / CD

Noel Gallagher's High Flying Birds: Who Built The Moon?Ciao Britpop!

Oasis gibt es nicht mehr, und das ist schon in Ordnung. Vielleicht hätten sich die beiden dauerzankenden Brüder und Bandleader Liam und Noel Gallagher sonst irgendwann öffentlich so richtig aufs Maul gehauen. Das muss ja auch nicht sein. Die ehemals großen Konkurrenten von Blur können sich ja vielleicht irgendwann um die Bespaßung der Britpop-Konservativen kümmern, wenn sie ihre Rente aufbessern wollen. Die Gallaghers nehmen stattdessen Soloplatten auf. Während Liam schon im Oktober mit dem unspektakulären "As You Were"-Album vorlegte, folgen nun Noel Gallagher's High Flying Birds mit "Who Built The Moon?". Geschrieben und komponiert hat Noel die Songs natürlich weitestgehend selbst, die Live-Band aber ist neu. Wie viel Oasis steckt also noch in der aktuellen Musik des Vorzeige-Popprolls - und wer gewinnt das Bruder-Duell diesmal?

Die Antwort: Rumms! Was Liam nicht mehr abbekommen hat, bekommt jetzt der Hörer zu spüren. "Who Built The Moon?" ist kein softer Feelgood-Rock, zu dem es sich in der Indie-Disko gut schunkeln lässt. Stattdessen liefert Noel Songs, die fast platzen, so vollgepackt sind sie mit sich überlappenden Gitarren- und Keyboard-Klängen. Ein durch viele Effekte manipulierter Hall-Gesang walzt die pompösen Arrangements dann aber einfach platt. Noel ist eben einer, der gerne im Mittelpunkt steht.

Deswegen sind die Songs auf "Who Built The Moon?" auch wieder prollig. Sie feiern sich zwar nicht plakativ selbst, aber spiegeln wieder, was Noel Gallagher so alles kann. Und er kann vieles. Aus "Keep On Reaching" ist zum Beispiel der Funk herauszuhören, der durch Trompeten auf den Hörer einprasselt wie Ohrfeigen in das Gesicht des ungeliebten Bruders. Die beiden rein instrumentalen "Wednesday"-Interludes sind dagegen musikgewordene luzide Träume. Sie klingen schläfrig, rauschen vorbei, und doch scheint Noel den Irrsinn selbst zu steuern.

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Umschlossen sind diese Ausbrüche schließlich von recht aggressiven Haudrauf-Sounds, Ausflügen ins Psychedelische und einigen verloren scheppernden Elementen des alten Oasis-Sounds. Diese Retro-Momente hätte es aber gar nicht gebraucht. Sie entwickeln sich schließlich sogar zu den schwächsten Bruchstücken des Albums.

Ansonsten hat Noel das alte Oasis-Trauma scheinbar hinter sich gelassen. "Who Built The Moon?" ist so zum selbst geschaffenen Raum für Experimente geworden, in dem alles möglich ist. Noel hat seine neu gewonnene Freiheit ausgeschöpft - um einiges effektiver als sein Bruder Liam.

Johann Voigt

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelWho Built The Moon?
Bandname/InterpretNoel Gallagher's High Flying Birds
Erhältlich ab24.11.2017
LabelSour Mash
VertriebIndigo
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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