Musik / CD

U2: Songs Of ExperienceNach dem Paradies kommt ... das Paradies

Der 5. November 2017: Unter dem Titel "Paradise Papers" werden ursprünglich vertrauliche Daten veröffentlicht, die nach den vorangegangenen "Panama Papers" erneut aufzeigen, wie die unterschiedlichsten Akteure sogenannte Steueroasen nutzen, um ihre Gewinne zu maximieren. Die Medien stellen Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen wie Apple, Nike und McDonald's an den Pranger. Und dann taucht in den Berichten auch Bono von U2 auf. Nein, der? Irgendwas mit einem Einkaufszenrum in Litauen. Bono, geschätzter Moralist und anerkannter Wohltäter, reagierte bestürzt: Die Berater waren schuld! Es steckte also vielleicht mehr Dummheit als Niedertracht dahinter. Der 1. Dezember 2017: U2 veröffentlichen ihr neues Werk "Songs Of Experience", das natürlich schon lange fertig ist und deshalb keinen inhaltlichen Bezug auf die "Paradise Papers" nehmen kann. U2 waren in den letzten Wochen aber sicher froh darüber, gerade dieses Album in der Schublade zu haben.

"Songs Of Experience" ist in der aktuellen Situation das richtige U2-Album, weil jetzt kein geeigneter Zeitpunkt für große Experimente wäre. Stattdessen macht die größte Band Irlands das, was sie gut kann: Sie spielt Rockmusik für Pop-Fans, die ihrem Spiegelbild morgens Mut zusprechen und sich wünschen, dass die Welt ein besserer Ort wäre. Steh dir selbst nicht im Weg! Liebe überwindet alle Hindernisse! Es sind Botschaften wie diese, in dem Fall den Songs "Get Out Of Your Own Way" und "Love Is Bigger Than Anything In It's Way" entnommen, die "Songs Of Experience" besonders prägen.

Und überhaupt: Liebe, wir brauchen mehr Liebe! Das betont Bono in verschiedenen Variationen immer wieder, am eindrucksvollsten im Song "You're The Best Thing About Me", den er für seine Frau schrieb. Kein zweites "Sweetest Thing", aber doch ganz hübsch. Der Hörer bekommt auf diesem Album also das, was er kennt und mag: Bonos charakteristischen Gesang, das luftig-leichte Gitarrenspiel von The Edge, sphärische Klangteppiche, dazu viel Harmonie. Auffälligkeiten? "Red Flag Day" wirkt ganz schön groovy, und ist das ein Hauch von The Clash, den wir da in "The Showman (Little More Better)" hören?

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Es gibt einige Songs auf diesem Album, die man sich schönreden kann. Doch auch Fans werden zugeben müssen: "Songs Of Experience" ist gelegentlich ein wenig langweilig, und man wacht tatsächlich nur an dem Punkt kurz aus dem Halbschlaf auf, wenn Kendrick Lamar den Hörer zwischen den Songs "Get Out Of Your Own Way" und "American Soul" anplärrt (U2 waren zuvor auf Kendricks letztem Album als Gaststars zu hören). Wenn der US-Rapper skandiert "Gepriesen seien die Superstars, denn durch ihre Herrlichkeit und ihr Licht verstehen wir besser, wie bedeutungslos wir sind", dann ist da tatsächlich mal etwas, über das man einen Moment lang nachdenken muss.

Dass U2 ihrem Publikum ansonsten wenig abverlangen, ist dann wohl schon ganz gut so. Vor dem Hintergrund der jüngsten nicht-musikalischen Störfeuer sagt alles an diesem neuen Album: Wir sind's, die Band, die ihr liebt und die mit ihren großformatigen Empowerment-Hymnen dafür sorgt, dass ihr euch besser fühlt! Am Ende wird man als Hörer dabei selbst schon fast ein wenig dusselig. Ja, die "Paradise Papers": Wo sollen wir unterschreiben?

John Fasnaugh

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelSongs Of Experience
Bandname/InterpretU2
Erhältlich ab01.12.2017
LabelIsland
VertriebUniversal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"

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