Musik / CD

Mike Love: Unleash The LoveDer Mann, der die Liebe nicht nur im Namen trägt

Neben dem unangefochtenen Beach-Boys-Leader Brian Wilson ist sein Cousin Mike Love wohl das einzige Bandmitglied, das auch jenseits der Fangemeinde der Jahrhundertband zu einer gewissen Bekanntheit kam. Mike Loves unvergleichliche Harmonie-Gesänge präg(t)en den Sound der Kalifornier maßgeblich. Seit der Gründung der Beach Boys 1961 gehört Mike Love, wie der letzte noch lebende Wilson-Bruder Brian, ohne Unterbrechung zur Band. Nun versucht er sich mit dem Album "Unleash The Love" ausnahmsweise mal wieder solo.

Dass Love nach 56-jähriger Karriere erst sein zweites Solo-Album veröffentlicht (das erste erschien bereits 1981), ist wohl seiner Treue zu den Beach Boys geschuldet. Vielleicht liegt es auch daran, dass Love immer nur als Co-Writer im Verbund mit Wilson zu wirklich Ideen fand. Als alleiniger Songschreiber geht ihm die Musik nicht so leicht von der Hand.

Daher kann das Material auf "Unleash The Love" auch nicht am Thron der unkaputtbaren Harmonie-Monolithen der Beach-Boys-Frühphase kratzen. Aus dem Schatten des großen Comeback-Albums von Loves Hauptband, "That's Why God Made The Radio" (2012), wird sich Loves zweites Solowerk auch nur schwer lösen können. Nichtsdestotrotz haben die 13 neuen Kompositionen des Doppel-Albums, für das außerdem elf der größten Beach-Boys-Hits neu arrangiert und eingespielt wurden, ihre guten bis sehr guten Momente.

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Die austarierte Mischung aus R'n'B, Gospel, Pop und beinahe meditativ anmutenden Chants bleibt über die gesamt Albumlänge erstaunlich stimmig. Die Good Vibes schweben griffig durch den Raum, Loves Gesang agiert trotzt kleiner Verschleißerscheinungen - bei 76 Jahren Lebenszeit sicher mehr als vertretbar - unverkennbar auf bekannt hohem Niveau. Unterstützung leisten unter anderem Schauspieler und Musiker John Stamos ("Full House"), der die Beach Boys in der Vergangenheit immer wieder bei Live-Konzerten begleitete, Loves Tochter Ambha, Saxofonist Dave Koz sowie Sänger Mark McGrath (Sugar Ray).

Was man darüber hinaus zum Verständnis dieser Love-Musik wissen sollte: Seit den 60er-Jahren ist Mike Love Anhänger der Transzendalen Meditation, zwischenzeitlich führte ihn seine spirituelle Suche - ähnlich wie die Beatles - auch nach Indien. Seine Erfahrungen zu diesem Thema flossen erstmals mit dem Album "Friends" (1968) in die Musik der Beach Boys ein. Anno 2017 zeugen Tracks wie "Pisces Brothers" oder "Ram Raj" davon, welche enorme Bedeutung Spiritualität für Mike Love inzwischen hat. Stellenweise schrammt er haarscharf am Kitsch vorbei, aber das dürfte dem alten Herrn herzlich egal sein. "Unleash The Love" ist (s)eine Herzensplatte, und wenn die Botschaft "Love" heißt, kann das nie etwas Schlechtes sein.

Lemmy Lammey

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelUnleash The Love
Bandname/InterpretMike Love
GenrePop
Erhältlich ab08.12.2017
LabelBMG Rights
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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