Musik / CD

Glasperlenspiel: Licht & SchattenEine Ode an die Liebe

Der Werdegang des schwäbischen Elektropop-Duos Glasperlenspiel lässt sich gut in Schlagworten zusammenfassen: Kirchenband. Herrmann Hesse. Bundesvision Song Contest. Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Vor allem aber sind Sängerin Carolin Niemczyk, die aktuell auch der "DSDS"-Jury angehört, und Keyboarder Daniel Grunenberg seit 2006 ein Paar und offenbar unsterblich verliebt. Das ist auf dem neuen Album "Licht & Schatten" zumindest das Leitmotiv ihrer Musik.

Schon der Titelsong ist eine Ode an die tolle Balance der beiden Partner und an das Glück, das sie sich spenden. Der Rausschmeißer "Liebe ist safe" setzt dem Ganzen die Krone auf und kürt die Liebe von Glasperlenspiel zur romantischen heterosexuellen Idealbeziehung. Da geht es nämlich um politische Missstände auf der Welt, die gar nicht konkret benannt werden müssen: Schlagzeilen. Tränen. Gräber. Alles klar? Das Problem ist natürlich: Die anderen Menschen lieben sich nicht so sehr wie Carolin und Daniel. Nicht nur erscheint eine Beziehung, die derart safe und konfliktfrei ist, recht unglaubwürdig, auch der Zusammenhang zum Weltfrieden erschließt sich nicht auf Anhieb.

Die Botschaften auf "Licht & Schatten" sind allesamt erwartbar. Ununterbrochen wird der Hörer motiviert, sich selbst so zu lieben, wie er ist, die alles bedeutende Liebe zu finden, Träume zu verwirklichen und so weiter. Das hört man an sich gerne, auf Dauer wirkt es aber doch etwas unehrlich und emotional übergriffig. Liebes Glasperlenspiel, wir kennen uns doch gar nicht!

mehr Bilder

Lässt man sich aber doch ein auf die Hollywood-Mär, so hat das Album durchaus seine Momente. Das Lied "Nächte ohne Fotos" zum Beispiel, dessen Text zwar stark auf die ominöse Generation Y zielt und sie mit Phrasen und Wortbildern bewirft, ohne sie aber so schlecht zu machen wie Deutschpop-Act XY. Glasperlenspiel beschreiben hier "echte" Momente und finden autentische Bilder, anstatt ausschließlich Wandtattoos aneinanderzureihen . "Nächte ohne Fotos" ist besser als etwa das Stück "Diese Zeit", das tatsächlich nur wie der x-te Aufguss von "Tage wie diese", "Unsere Zeit ist jetzt", "Für immer jung" und dergleichen klingt.

Auch musikalisch gibt es Oasen. Gerade wenn man das Gefühl hat, man kann die quietschenden Elektropop-Produktionen nicht mehr hören, kommt mit "Schloss" eine entspannt groovende Nummer daher, die ein bisschen an die kecke Lässigkeit von 2Raumwohnung erinnert. Ein gesangliches Highlight ist Daniels elegisches Vocoder-Solo in "Feinde". Man wünscht sich mehr solche Experimente anstelle von Carolins doch sehr gleichförmigem Vortrag, der viel auf brüchiges Hauchen mit übertriebenem Timbre setzt.

Schlecht produziert ist das alles jedenfalls nicht, und immer wieder verlängern eingängige Refrains die Aufmerksamkeitsspanne. Das alles macht "Licht & Schatten" noch nicht wirklich zu einem Album, das seine Dreiviertelstunde Aufmerksamkeit wert ist, und es macht Carolin und Daniel auch nicht zu Hoffnungsträgern im künstlerisch stagnierenden Deutschpop-Geschäft. Es zeugt aber zumindest davon, dass hier zwei Menschen agieren, die eine Idee davon haben, wie man interessante Musik macht und nicht in deutschen Seifenopern landet. Und wenn sie sich tatsächlich so doll lieb haben, ist das am Ende auch in Ordnung.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelLicht & Schatten
Bandname/InterpretGlasperlenspiel
GenreElektropop
Erhältlich ab20.04.2018
LabelPolydor
VertriebUniversal Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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