Musik / CD

Lykke Li: So Sad So SexySo weint eine Pop-Diva

Ein schönes Arrangement begrüßt uns auf Lykke Lis viertem Album, "So Sad So Sexy". Erst nur sinfonisch flirrende Streicher, dann eine kaskadisch fallende Gesangsmelodie, danach setzen dezente Claps ein, und schon singt Li mit sich selbst im Vocoder-Chor. Bei den Produktionen griff der Schwedin ein Mann namens Malay unter die Arme, der bereits für Lorde und Frank Ocean Pop-Musik mit Autoren-Ethos schuf. Li geht aber weiter. Bereits auf besagtem Opener wird ihre Stimme vielfach durch Effekte transformiert und erinnert an britische Post-Dubstep-Künstler. Die Instrumentierung bleibt dabei unaufdringlich und bietet der Stimme Raum. Auf "Hard Rain" sind es die Streicher, auf "Two Nights" ist es ein Klavier, das nur während des Gastauftritts von Rapper Aminé kurz auf Drums und Synthesizer trifft. Seit dem Sommerhit "I Follow Rivers", der Li 2011 bekannt machte, hat sie sich musikalisch weiterentwickelt, manchmal klingt sie aber ein bisschen zu unaufgeregt.

Die Grenze zwischen experimentellem Elektro-Pop und Fahrstuhl-Musik kann sehr dünn sein. Der Titel "Jaguars In The Air" ist mit seinen sehnsüchtigen Halbton-Melodien und der Kombination von Akustikgitarre und Elektronik wunderbar verträumt, könnte aber auch problemlos in einem American-Apparel-Spot laufen. Inhaltlich geht es auf "So Sad So Sexy" schon eher ans Eingemachte. "Sex, money, feelings die. Ladies, am I right?"

mehr Bilder

Man muss Lykke Li zugutehalten, dass sie nicht erst traurig und sexy ist, seit Drake und The Weeknd dieses Bild salonfähig gemacht haben. Schon auf ihrem Debüt "Youth Novels" (2008) war ihr damals noch recht quirliger Indie-Pop immer kurz vor dem Zerbrechen. Jetzt ist die Grenze überschritten und der quirlige Indie-Pop flächiger Elektronik gewichen, in der Lis effektbeladene Stimme verloren durch die Gegend treibt. Bei allem Schmerz über verflossene Beziehungen bewahrt sie aber immer ein Quäntchen Fassung und lässt auch etwas Erhabenes durchscheinen. "I was only lying when I looked in your eyes / I'm crying diamonds like a river inside / and it's so sad, so sexy", singt sie in dem Titeltrack.

Selbst in dem Moment, in dem sie zugibt, dass ihr Gegenüber ihre Tränen nicht sehen sollte, weiß sie, dass ihre Tränen Diamanten sind und diese sie nur attraktiver machen. So weint eine Pop-Diva. Nichtsdestotrotz ist dies ein hoffnungsloses Album über das Ende einer Beziehung. Wenn Li in "Utopia" ein letztes Mal von einer Wiedervereinigung träumt, ist längst klar, dass es nur das ist: ein Traum, eine Utopie. Mit dem Album scheint sich aber auch die Trauerarbeit einem Ende zu nähern. Für frisch getrennte Hörer muss "So Sad So Sexy" eine sehr kathartische Erfahrung sein.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungüberzeugend
CD-TitelSo Sad So Sexy
Bandname/InterpretLykke Li
Erhältlich ab08.06.2018
LabelLL Recordings/RCA Records
VertriebSony Music
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


Versenden Drucken

Weitere Artikel


Musik News


The Faim - Summer Is A Curse

CD-Archiv

CD-Archiv

Suche in der Radio Köln - CD-Datenbank nach Interpreten und/oder CD-Titeln.

Ticketshop

Sicher Dir im Radio Köln Ticketshop die Tickets Deiner Wunschveranstaltung!

Anzeige
Zur Startseite