Musik / CD

Lenny Kravitz: Raise VibrationsDie Romantik der Rebellion

Lenny Kravitz war schon bei seinem ersten Album "Let Love Rule" ein hoffnungsloser Romantiker. Inmitten der Hochphase des Synthpop-Booms der 80-er wuchtete der gebürtige New Yorker ein Album mit organischen Classic-Rock- und geerdeten Funk-Elementen in die Welt, umsäumt von der Geisteshaltung der Hippies. Das war 1989. Im Grunde genommen haben sich Kravitz' Haupteinflüsse aber bis heute kaum geändert: schwere Rockriffs wie bei Jimi Hendrix, die Funk-Note von Syl Johnson, die süßliche Melancholie von Curtis Mayfield, das weltbürgerliche Selbstverständnis eines John Lennon - und überall Prince (mit dem Kravitz eng befreundet war). Auch wenn seine größten Hits in Deutschland, "Fly Away" und "I'll Be Waiting", eher klassischem Mid-Tempo-Rock entsprachen, lässt sich die Musik des Genregrenzgängers wohl am Ehesten mit "Rock'n'Soul" umschreiben. Jetzt erscheint sein elftes Album "Raise Vibrations".

Über die neuen Songs hat Kravitz gesagt, sie seien ihm im Traum eingefallen. Beispielweise habe er die Inspiration zu "Johnny Cash", einer schwermütigen Folk-Ballade, erhalten, als Johnny Cash und seine Ehefrau June Carter ihn in einem Traum über den Verlust seiner Mutter trösteten. Es ist also wieder die Romantik, die auch "Raise Vibrations" dominiert.

Stets war Kravitz' Musik ein Spiel mit Zitaten. Seine Lieder wirken oft wie Pastiches, nicht wie Originale. Als Songwriter schreibt er Kadenzen und Riffs, die an vergangene Tage und Hymnen erinnern (sollen) - die Genialität des Multiinstrumentalisten schlägt sich dadurch vor allem in seinem Talent als Produzent nieder. Lenny Kravitz, inzwischen 54, ist ein Sound-Wissenschaftler, der Äras und Stile verinnerlicht hat. Auf den zwölf frischen Titeln wählt er die Nostalgie schwarzer Musik der 70-er als Ausdrucksmittel für die Gegenwart. Ein Soundtrack, der keine Rebellion anstiften, aber an Rebellion erinnern will.

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Schon die Single, die Anti-Kriegs-Hymne "It's Enough", zollt der Psychedelic-Funk-Ära um The Temptations und Syl Johnson Tribut. Auch "The Majesty Of Love"oder der Titel "Low", eine von Michael Jackson inspirierte Ode an das Verknallt-Sein, gehören zu dieser Facette in Kravitz' Schaffen, die den Beginn seiner Laufbahn geprägt hatte, zuletzt aber auf dem Vorgängeralbum "Strut" (2014) gegen Reißbrett-Rock und Synthie-Pop eingetauscht worden war. Kravitz ist jedoch immer dann am Besten gewesen, wenn er nicht modern klang. So ist das auch auf "Raise Vibrations".

Spannend ist das neue Werk aber aus einem anderen Grund: Der Musiker Lenny Kravitz wirkt 2018 aufgewühlter als in den letzten Jahren. Die Entwicklungen im Trump-Amerika und seiner Wahlheimat Frankreich (Kravitz lebt zeitweise in Paris) haben ihn das erste Mal in seiner Karriere politisiert. Es gibt keine gemeinplätzigen Flower-Power-Plattitütden mehr, sondern klare Aussagen: "Will we learn form our past / Our time is running fast", heißt es auf dem Schlüsselstück "Here To Love".

Klimakatastrophen, Rassismus, Flüchtlingskrisen - selten sprach Lenny Kravitz so konkret über die großen Themen der Gegenwart. Fast scheint es, als habe Kravitz der gefühlte Umsturz in der Welt aus seinem Kreativ-Kokon geschüttelt. Beherzt stapelt er seinen organischen Piano-Pathos, die fluffigen Gitarren-Grooves und lässiges Drumplay in das Vintage-Effektgerät, um seine weltumspannende Botschaft zu verkünden. Die lautet natürlich: Lass die Liebe regieren! Der alte Romantiker.

Fionn Birr

Audio CD
Bewertungausgezeichnet
CD-TitelRaise Vibrations
Bandname/InterpretLenny Kravitz
Erhältlich ab07.09.2018
LabelBMG Rights Management
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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