Musik / CD

Good Charlotte: Generation RxDie Subkultur mit dem Peter-Pan-Syndrom

Es wäre absolut verzeihlich, nicht zu wissen, dass es die Band Good Charlotte um die Zwillinge Joel und Benji Madden überhaupt noch gibt. Auf regionalen Rock-Radiosendern sind sie aber vermutlich noch mehrfach täglich hören. Songs wie "The Anthem" und "I Just Wanna Live" waren in der ersten Hälfte der 2000-er die Hymnen für Highschool-Kids mit Tim-Burton-Patches auf den Rucksäcken und bunten Haaren, die ihnen strähnig ins Gesicht hingen. In der Hoffnung, ein breites Publikum zu erreichen, haben Good Charlotte seit dieser Zeit immer synthetischer klingende Musik mit immer belangloseren Texten produziert. Zwei Jahre nach "Youth Authority" erscheint nun das neue Album "Generation Rx".

An der Sache mit der mangelnden Substanz ändert sich auch auf der siebten Platte von Good Charlotte nicht viel. Die Single "Actual Pain" erinnert zunächst an die späten, elektronischen Linkin Park, bevor ein generisches Riff hinzukommt, das vor lauter Kompressoren kaum noch nach als Gitarren-Sound zu erkennen ist. "All this pain I feel / That's tearing me apart / Is what makes you real / Deep inside my heart", singt Joel Madden und kanalisiert die alten Teenager-Gefühle. Es wirkt ein bisschen, als wären Joel, Benji und ihre Mitstreiter nie erwachsen geworden. In den Kommentarspalten finden sich Menschen, denen das gut gefällt. Auf ihren Profilbildern kann man die strähnigen bunten Haare noch sehen. Diese Menschen sind aber in den letzten Jahren immer weniger geworden. Pop-Punk ist 2018 eine Subkultur mit Peter-Pan-Syndrom.

So ganz wird man Good Charlotte aber nicht gerecht, wenn man sie als gestrige Kommerznudeln abtut, den mit "Generation Rx" versuchen sie auch, etwas zu sagen. Der Titel spielt auf ein Kürzel an, das in Amerika auf verschreibungspflichtigen Pillen zu finden ist. Die Generation Rx meint Menschen, die in den späten 80-ern und frühen 90-ern geboren wurden und deren gängigste Drogen nicht mehr Alkohol und Gras, sondern Antidepressiva und Angsthemmer wie Xanax oder Konzentrationsförderer wie Adderall und Ritalin sind.

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Good Charlotte waren Fans des Emo-Rappers Lil Peep, der im vergangenen Jahr an gestrecktem Xanax starb, und ihre Fangemeinde hat große Überschneidungen mit der Emo-Kultur, die wiederum großen Anteil daran hatte, Gespräche über psychische Gesundheit in die Öffentlichkeit zu tragen. Im Zusammenhang mit diesen Themen gelingt es Good Charlotte manchmal, auszubrechen. Wenn Joel Maddens eher kraftloser Gesang auf "Shadowboxing" kurz an Metal-Screams grenzt zum Beispiel oder wenn der Text von "Prayer" Gebete und Beileidsbekundungen als nutzlose leere Gesten anprangert.

Auf dem Albumcover zu "Generation Rx" tragen Good Charlotte eine Mischung aus Zombie-Makeup und mexikanischen Totenmasken. Sich mit der psychischen Gesundheit ihrer Fan-Generation zu beschäftigen, verschafft der Band kurzzeitig den Anstrich neuen Lebens, auch wenn ihr Sound längst sechs Fuß unter der Erde liegt.

Mathis Raabe

Audio CD
Bewertungakzeptabel
CD-TitelGeneration Rx
Bandname/InterpretGood Charlotte
GenrePost-Punk
Erhältlich ab14.09.2018
LabelBMG Rights Management
VertriebWarner
Quelle: "teleschau - der mediendienst"


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